Sündenspiel – Ein Fall für Henry Kilmer

Sündenspiel

Zugegeben, diesen 2. Teil zu verfassen bereitete mir einiges an Schwierigkeiten. Dabei ist das bewährte Rezept im Genre der Kriminalliteratur gar nicht so kompliziert: Die Figuren fordern mehr Fleisch, der Plot mehr Umdrehungen und die Gewalt mehr Exzess. Warum auch immer – die Gründe sind mir tatsächlich (noch) nicht bekannt – habe ich das Rezept in allen Punkten vernachlässigt. „Sündenspiel“ enträtselt Henry Kilmer keineswegs, der Plot hat weniger Wendungen als Band 1 und die Gewalt drosselte ich ebenso. Entstanden ist ein Roman, den ich selbst kaum greifen kann, beinahe so, als hätte ich mich gemeinsam mit Henry in einer Welt aus Schein und Trug verloren. Dass einer der Handlungsorte ein Theater ist und dessen Bühne sich in einem pittoresken Schloss befindet, begünstigt dieses Gefühl. Ich erwähnte den Treppengiebel und die Bogenfenster, beschrieb die mit Samt bezogenen Stühle oder den mächtigen Schnauzbart des Hausmeisters – das alles schien mir genauso wichtig, wie der Polizeiarbeit zu folgen. Womöglich sogar wichtiger. Nach 150 Seiten verschleiert auch noch ein dichter Nebel das ohnehin schaurige Anwesen und die umliegenden Wälder.

Bisweilen habe ich den Verdacht, dass meine Leidenschaft für Gothic-Literatur den Stift führte. Edgar Allan Poes „Morella“ und der böse Wolf mussten herhalten, eine geschichtsträchtige Gruft und in einem bildhaften Vergleich sogar das Wesen des Vampirs. Vielleicht ist „Sündenspiel“ einfach ein zaghafter Ausflug ins Reich der Schauermärchen, vielleicht auch bloß ein kopfloser Kriminalroman.

Sündenspiel

Ein Fall für Henry Kilmer

dp Digital Publishers Verlag, 2022